Rosenmaarschule

   
 

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Gemeinsam leben und lernen

"Darf ich mal mit deinem Rollstuhl fahren?" Die Lehrer sehen es nicht gern, wenn der Rollstuhl verliehen wird - es könnte ja was kaputt gehen, aber die Kinder finden es "voll normal", im fremden Rolli über den Flur zu flitzen - den Radiergummi teilt man sich ja auch. Ein Kind sitzt gemütlich und zufrieden lächelnd im Rolli und wird von einem anderen Kind geschoben - normal! Oder ... Moment mal! Das schiebende Kind stolpert, geht breitbeinig, ein wenig tapsig - ist das nicht ...?
Ja, tatsächlich, sie haben die Rollen getauscht, das behinderte Kind Michelle schiebt ihre vergnügt vor sich hinsummende Freundin Laura. Oder die Tür geht auf und drei Rollstühle mit fünf Kindern stürmen in die Klasse. Wer sitzt ist behindert und wer schiebt nicht? Ob die Kinder das interessiert? Sie wollen doch nur Spaß miteinander haben, und den haben sie zur Genüge. Eine SCHULE FÜR ALLE Kinder hatte sich die PPS vor über 20 Jahren auf das Banner geschrieben. Kein Kind sollte ausgeschlossen werden. Die Kinder können voneinander lernen, die Behinderten von den Nichtbehinderten. Ist doch klar: Lesen, Rechnen oder Sprechen könnte ein behindertes Kind von einem nichtbehinderten Kind lernen. Aber umgekehrt? Was lernen eigentlich die Nichtbehinderten von den Behinderten? Sich helfen lassen, einfache Fragen stellen, Ehrlichkeit: "Du, ich mag Dich!" Lerneifer, Lebensmut und –freude. "Ich kann zwar nicht gut laufen, aber prima mit dem Rollator sausen!"
Von dieser Selbstverständlichkeit, mit der die Kinder ihre Behinderung akzeptieren, können auch die Erwachsenen viel lernen. Nicht nur "Rollstuhlkindern" versucht die PPS zu helfen, sondern auch Kindern mit anderen Schwierigkeiten: Kindern, die nicht so gut lesen, rechnen, sprechen, lernen, schreiben, malen, klettern oder singen können. Die Aufzählung macht deutlich: Jedes Kind kann irgend etwas nicht so gut wie die anderen. Auch die Umkehrung stimmt: Jedes Kind kann irgend etwas Besonderes: auf Bäume klettern, tanzen, schmusen, wütend werden, Grimassen schneiden, Schafe füttern..... Die Grenzen zwischen Behinderten und Nichtbehinderten werden bei dieser Betrachtungsweise fließend. Deswegen spricht man heute auch nicht mehr von Behinderten, sondern von Kindern mit Förderbedarf.
Wie funktioniert denn nun der gemeinsame Unterricht so im Alltag? Tim ist im 1. Schuljahr, Lena im 2., Hannah im 3. und Jens im 4. Schuljahr. Jens erklärt Hannah oft Mathe, und Hannah hilft Tim beim Rechnenlernen. Mit Lena übt Hannah lesen, dafür malt sie meist Hannahs Bilder fertig. Malen kann sie nämlich nicht so gut.
Der Unterricht in der altersgemischten Gruppe ermöglicht und erfordert das Sichgegenseitighelfen. Das Helferprinzip ist selbststverständlich und befreit die Kinder mit Förderbedarf aus ihrer Sonderrolle. Allen wird geholfen! In einer altersgemischten Gruppe müssen die Kinder in Deutsch und Mathematik auf verschiedenen Niveaus unterrichtet werden. Dabei helfen die Wochenpläne, die dem individuellen Können angepasst werden. Einzel- und Kleingruppenunterricht sind notwendig. Diese Komponenten bilden für die PPS die unabdingbaren Voraussetzungen für den gemeinsamen Unterricht. Hier kann das Kind mit Förderbedarf ebenso wie das gut begabte in einer Atmosphäre ohne Konkurrenz gemäß seinem individuellen Tempo lernen.
Solch ein Unterricht kann nicht von einem Lehrer allein geleistet werden. Seit über 20 Jahren sind Sonderpädagogen mit an der Schule und helfen bei der Integration. Auch die Lehrer mussten viel lernen: aufeinander zugehen, zuhören, Arbeit aufteilen, mit Problemen auseinandersetzen, Teamarbeit eben. Ganz im Sinne von Peter Petersen werden an der PPS alle Kinder gemeinsam in einer Stammgruppe unterrichtet. Die PPS möchte auf diese Bereicherung des Unterrichts nicht mehr verzichten und wünscht sich, dass noch viele Kinder in den Genuss des Gemeinsamen Unterrichts kommen.

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