Rosenmaarschule

   
 

Pädagogik >> Zielfelder >> Lernentwicklungsbericht

Zielfelder der pädagogischen Arbeit:
Lernentwicklungsberichte - Zeugnis ohne Noten

  • Notenzeugnisse lassen nur grob vereinfachende Aussagen über die Lernentwicklung eines Kindes zu
  • Zeugnisse in Berichtsform bilden eine bessere Grundlage für Gespräche mit den Eltern über Leistungsstand und Lernentwicklung ihres Kindes
  • Noten helfen nur den "guten" Schülern. Die Lernfortschritte eines schwachen Schülers werden im Ergebnis, trotz großer Anstrengung, gemessen an der Norm nur wieder mit einer schlechten Note "belohnt".

PPS - Elternbrief vom 3.6.96

Seit 1975 gibt es bei uns überhaupt keine Noten mehr, weder bei der Bewertung von Schülerarbeiten, noch in den Zeugnissen. Die Kinder erhalten an Stelle von Zeugnissen ausführliche Lernentwicklungsberichte. Diese bestehen aus einem ausführlichen "Sozialteil" und dem Leistungsbereich (der Unterrichtsfächer).

Im Sozialteil wird beschrieben, welche Entwicklung das Kind im Spiel- und Arbeitsverhalten vollzogen hat, wie es mit anderen in Kommunikation tritt, wie konfliktfähig und hilfsbereit es ist, wie interessiert und motiviert es agiert. Hierbei geht es also um Aspekte des sozialen Lernens, der Selbständigkeit und der Selbstverantwortung.

Im Leistungsbereich differenzieren die Lernentwicklungsberichte innerhalb eines fachlichen Sektors, welche Fachaspekte das Kind ansprechen, worin es besonders gut zurecht kommt, was ihm noch Schwierigkeiten bereitet und woran konkret es noch arbeiten muss. Lernentwicklungsberichte individualisieren, indem sie von den Lernvoraussetzungen des jeweiligen Kindes ausgehen. Sie berücksichtigen den momentanen Entwicklungsstand des Kindes und beschreiben Lernerfolge und Entwicklungen gemessen an dessen jeweiligen Möglichkeiten.

Diese positiven Rückmeldungen motivieren das Kind zu weiterer Leistungsbereitschaft und Anstrengung. Lernentwicklungsberichte setzen die individuellen Leistungen aber auch in Bezug zu den Grundanforderungen, die in den Richtlinien und Lehrplänen für die einzelnen Fächer festgelegt sind. Bei den Kindern mit Förderbedarf können die detaillierten Erörterungen des Lernentwicklungsverlaufs eines Kindes förderdiagnostisch unmittelbar genutzt werden. Eltern, Lehrerkollegen, ggf. auch Therapeuten, erhalten Informationen über den aktuellen Leistungsstand und über Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes. Daraus können individuelle Förderpläne ableitet werden. Die in der "Du-Form" geschriebenen "Briefe" an die Kinder wirken durch Lob oder konstruktive Kritik direkt auf deren Verhalten.

Zum Halbjahr des 4. Schuljahres erstellen wir Lernentwicklungsberichte, die eine 'Begründete Empfehlung' zur dann anstehenden Wahl der weiterführenden Schule enthalten. Grundsätzlich gilt: zu allen schriftlichen Rückmeldungen gehört ein ausführliches Gespräch, an dem neben Eltern (und nach Verabredung auch ihr Kind) in der Regel wenigstens zwei KollegInnen aus dem Lehrerteam teilnehmen, je nach Sachlage auch Erzieher, Therapeuten usw.
Für die Sprechzeiten sind pro Kind/Eltern im Schnitt 30 Minuten angesetzt.

Entstehungsgeschichte: Bereits in den 60er-Jahren wurden an der Petersen-Schule Beibriefe zum Notenzeugnis geschrieben. Um den Lehrern die Arbeit zu erleichtern und auch um einer besseren Vergleichbarkeit willen entstand daraus später ein Blatt mit Aussagen zu den einzelnen Fachbereichen, auf dem das Zutreffende einfach unterstrichen werden konnte. Im Jahr 1972 beschloss der Pädagogische Arbeitskreis - eine seit 1970 an der PPS bestehende Arbeitsgruppe von Lehrern und Eltern - das Thema Zeugnisreform zum Schwerpunkt seiner Arbeit zu machen. Schon 1973 konnten dann allen Eltern in den Klassenpflegschaften drei verschiedene Entwürfe zur Diskussion vorgelegt werden (siehe Chronik).

In einigen Klassen wurde der "Informationsbogen" zunächst probeweise und zusätzlich zum Notenzeugnis ausgegeben. Als Ergebnis der Diskussionen und ersten Erfahrungen wurde beim Kultusminister ein Antrag auf Schulversuch eingereicht, der 1975 dann auch genehmigt wurde. Nach dem ersten Ausgabe-Termin der Lernentwicklungsberichte fanden in allen Klassen Elternabende statt. Darüber hinaus wurde über Fragebögen versucht, ein Meinungsbild zu bekommen. Natürlich wurde auch mit den Kindern ausführlich über die neue Form der Zeugnisse gesprochen.

Der Pädagogische Arbeitskreis nahm Veränderungswünsche auf. Sie bezogen sich vor allem auf einzelne, zum Teil für Eltern unverständliche Formulierungen, aber auch auf die Lesbarkeit des damals verwendeten Rasterbogens. So wurde der Informationsbogen in den folgenden Jahren stufenweise weiterentwickelt. 1992 wurden die "Kreuzchen-Bögen" durch Prosaberichte ersetzt. Seit dem Schuljahr 1996/97 werden alle Lernentwicklungsberichte in der "Du- Form" geschrieben und direkt an die Kinder adressiert. Einzige Ausnahme sind die "Bewerbungszeugnisse" für die weiterführenden Schule nach dem 1. Halbjahr des 4. Schuljahres. Diese Lernentwicklungsberichte werden beschreibend in der dritten Person abgefasst.

"(...) 2. Ich bin damit einverstanden, dass die Städt. Peter-Petersen-Grundschule, Am Rosenmaar 3, 51061 Köln, aufgrund ihrer langjährigen pädagogischen Tradition, die in dem von Eltern und dem Kollegium gemeinsam getragenen Schulprogramm dokumentiert ist, in Klasse 4 gemäß § 4 b SchVG abweichend von §§ 9,10 AO-GS auf die Anwendung der Notenstufen verzichtet. Hierbei gehe ich davon aus, dass den Eltern, die für ihre Kinder die Leistungsbewertung gemäß den Bestimmungen der AO-GS wünschen, der Besuch einer anderen als der zuständigen Grundschule gemäß § 6 Abs. 3 SchpflG gestattet wird. (...)"
[Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW, vom 14.08.1997, Dr. Besch; Aktenzeichen: II A 3.36-60/0 Nr. 750/97]

Damit ist die PPS zur Zeit die einzige Grundschule in NRW, die in allen Stufen Zeugnisse ohne Noten ausgeben darf.

Thomas

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